Lodernde Wut

Lodernde Wut

Der 21. Fall für Büttner und Hasenkrug

E-Book (amazon)
Preis: 3,99 Euro

Das Taschenbuch erscheint am 3. Dezember 2018 über den Belle Epoque Verlag überall im Buchhandel und kann bereits vorbestellt werden.

Darum geht's:

Der Mord an einem Familienvater gibt David Büttner und Sebastian Hasenkrug Rätsel auf, scheint es für ihn doch keinerlei Motiv zu geben. Zur Bestürzung der beiden Kommissare führen alle Spuren zum Freund des Ermordeten, bei dem es sich ausgerechnet um den Ehemann der Gerichtsmedizinerin Dr. Anja Wilkens handelt. Doch hat Rolf Wilkens diese Tat wirklich begangen oder sollen die Ermittler ganz bewusst auf eine falsche Fährte gelockt werden?
Als ein Drohbrief auftaucht, der weitere Opfer ankündigt, zählt jede Minute, denn plötzlich geraten auch Büttner selbst sowie seine Frau Susanne ins Visier des Täters.

 

Leseprobe

(...)

Der Regen verwandelte das durch die Trockenheit viel zu früh gefallene Laub in eine rutschige Masse, und Anja Wilkens musste sich darauf konzentrieren, nicht auszurutschen. Die während des Sommers verdorrten Grünflächen entlang der Gehwege sogen das vom Himmel fallende Wasser durstig auf. Vermutlich würde es nicht mehr lange dauern, bis sie sich wieder in einem saftigen Grün zeigten. Noch aber konnte man allenfalls erahnen, dass die Pflanzen hier normalerweise üppig blühten und gediehen.
Ein Polizist in Uniform kam auf die Gerichtsmedizinerin zu und grüßte, indem er an die Mütze tippte. „Moin. Schön, dass Sie so schnell kommen konnten. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob es sich um einen natürlichen Todesfall oder vielleicht doch um einen Unfall handelt.“ Er bedeutete ihr, ihm zu folgen, und nach etwa zwanzig Metern blieben sie unter einer mächtigen Buche vor einem mit einer Plane bedeckten, leblosen Körper stehen. Ausschließlich ein Paar dreckverschmierter Schuhe schaute heraus. „Wir dachten uns, bevor wir die Kollegen von der Kriminalpolizei herbeordern, könnten Sie vielleicht eine Einschätzung abgeben.“
„Wer hat den Mann gefunden?“, fragte Anja Wilkens. Sie schaute mit gerunzelter Stirn auf eine Gruppe Schaulustiger. So mancher hatte sein Smartphone gezückt und machte Fotos, obwohl von der Leiche selbst nichts zu sehen war. Zwei Kollegen von der Polizei versuchten, die Menschen auf Abstand zu halten, was sich ohne eine Absperrung als gar nicht so einfach erwies.
„Der Mann dort drüben.“
Dr. Wilkens’ Blick folgte dem Finger des Polizisten und blieb an einem Mann hängen, der an einen Baum gelehnt dastand und das Tun um ihn herum mit wachem Blick verfolgte.
„Soll ich ihn herholen?“, fragte der Polizist.
„Nein. Nicht nötig. Interessant wird er erst, wenn wir es mit keinem natürlichen Tod zu tun haben. Und auch dann ist es Angelegenheit der Mordkommission, ihn zu befragen. Mich interessiert allenfalls, woran mein Klient gestorben ist.“ Als der Beamte nichts darauf erwiderte, streifte sie Latexhandschuhe über ihre Hände und ging in die Hocke. Dann zog sie die Plane weg und drückte sie dem Polizisten in die Hand. „Bitte halten Sie sie so, dass die Gaffer nicht sehen können, was ich hier mache“, forderte sie ihn auf. „Von Pietät scheinen diese Leute noch nichts gehört zu haben.“
In den nächsten Minuten arbeitete sie konzentriert an der Untersuchung des Leichnams. Sie schätzte den Mann auf Mitte vierzig. „Konnten Sie seine Personalien feststellen?“, fragte sie schließlich.
„Ja. Er hatte sämtliche Papiere dabei. Thorsten Kannegießer aus Campen, vierundvierzig Jahre alt.“
Die Ärztin nickte abwesend, während sie überlegte, bei welcher Gelegenheit sie diesen Namen schon einmal gehört hatte, doch es wollte ihr nicht einfallen. „So wie es aussieht, hat dieser Mann einen Schlag auf den Kopf bekommen“, stellte sie fest. Sie hielt eine blutverschmierte Pinzette in die Luft. „In der Wunde sind Holzsplitter, sie könnten von einem Ast stammen.“
„Vielleicht ist beim Sturm letzte Nacht ein Ast abgebrochen und …“
„Nein. Der müsste dann hier liegen“, unterbrach Dr. Wilkens den Beamten. Sie musterte die unmittelbare Umgebung. „Ich sehe aber nichts. Für wahrscheinlicher halte ich, dass man ihm eins übergebraten und den Ast irgendwo entsorgt hat. Zurzeit deutet alles darauf hin. Genaueres kann ich aber erst nach der Obduktion sagen. Und die müsste von der Staatsanwaltschaft angeordnet werden.“
„Also doch die Kollegen von der Mordkommission?“
Anja Wilkens nickte. „Ja, informieren Sie bitte Hauptkommissar Büttner.“ Sie machte eine Kopfbewegung in Richtung des Bahnhofs, von dem die durchdringenden Geräusche eines bremsenden Zugs zu ihnen herüberschrillten. Ihm gegenüber lag das Polizeirevier. „Er hat es ja nicht weit und müsste in wenigen Minuten hier sein, sofern er sich in seinem Büro aufhält.“ Sie wischte sich mit der Hand über das regennasse Gesicht, bevor sie hinzufügte: „Und sehen Sie zu, dass die Gaffer von hier verschwinden. Nur der Zeuge, der den Leichnam gefunden hat, soll bleiben. Büttner kann dann entscheiden, ob er ihn noch braucht.“
Tatsächlich dauerte es keine Viertelstunde, bis Hauptkommissar David Büttner am Stadtwall auftauchte. Begleitet wurde er von seinem Assistenten Sebastian Hasenkrug und weiteren uniformierten Polizisten. Letztere machten sich auf Anweisung Büttners sofort daran, das Gebiet weiträumig mit Flatterband abzusperren und die Schaulustigen, deren Anzahl sich minütlich erhöhte, zum Gehen aufzufordern.
„Moin, Frau Doktor Wilkens“, grüßte Büttner. „Sie haben Kundschaft für uns?“ Er warf einen Blick auf den Leichnam. „Sieht doch ganz friedlich aus.“
„Wenn sein Sterben so vonstattenging, wie ich es vermute, dann dürfte er davon auch nicht allzu viel mitbekommen haben“, erwiderte die Medizinerin. „Meines Erachtens ein heftiger Schlag mit einem Ast oder Ähnlichem auf den Hinterkopf. Ich würde ihn gern auf meinem Tisch haben.“
„Was Sie auf Ihrem Tisch haben, landet unweigerlich auf meinem Schreibtisch“, brummte Büttner. Von dem Gedanken an eine anstehende Mordermittlung schien er nicht gerade begeistert zu sein.
Anja Wilkens lachte. „Augen auf bei der Berufswahl, kann ich dazu nur sagen.“
„Wie lange ist er schon tot?“, fragte Hasenkrug.
„Den Tatzeitpunkt würde ich zwischen ein Uhr und halb drei nachts verorten.“
„Was hatte er um diese Zeit hier zu suchen?“ Büttner schaute den Leichnam an, als würde er von ihm eine Antwort erwarten.
„Hat er mir nicht erzählt“, antwortete Anja Wilkens. Sie streifte sich die Handschuhe von den Händen und schloss ihren Arztkoffer. „Ich schätze, es ist Ihr Job, das herauszufinden.“
„Ist das nicht Ihr Mann?“, hörte sie im nächsten Moment jemanden hinter sich sagen. Sie drehte sich um. Ein Polizist hielt ihr eine Visitenkarte entgegen.
„Doktor med. Rolf Wilkens“, murmelte die Ärztin. „Ja, das ist mein Mann. Wo haben Sie die gefunden?“
„Im Portemonnaie des Toten.“
„Ihr Mann hat den Toten gekannt?“, mischte sich Büttner ein.
„Keine Ahnung. Aber irgendwie kam mir sein Name gleich bekannt vor. Gut möglich, dass Rolf ihn dieser Tage mal erwähnt hat. Mir fällt aber nicht ein, in welchem Zusammenhang das gewesen sein könnte. Vielleicht ein Patient von ihm.“ Sie zuckte die Schultern. „Ich werde ihn fragen, wenn ich nach Hause komme.“
„Weiß man, was der Mann beruflich gemacht hat?“, wollte Büttner wissen.
„Pharmavertreter“, lautete die knappe Antwort. „Er hatte auch seine eigenen Visitenkarten dabei.“
„Ach, der ist das.“ Anja Wilkens zog die Stirn in Falten. „Nun fällt es mir wieder ein. Mein Mann war gestern mit ihm verabredet.“
„Wann gestern?“, hakte Hasenkrug nach.
„Gestern Abend. Sie wollten zusammen essen gehen.“
„Ach ja?“ Büttner hob erstaunt die Brauen. „Macht man das so in dem Geschäft?“
„Nein, eigentlich nicht. Aber in diesem Fall …“ Anja Wilkens seufzte. „Was genau da anlag, kriege ich nicht mehr zusammen. Ich muss gestehen, dass ich nur mit halbem Ohr zugehört habe, als Rolf davon sprach, weil ich gerade mit meiner Tochter an den Hausaufgaben saß. Sie müssten ihn selbst dazu befragen.“