Dünennebel

Dünennebel

Der 22. Fall für Büttner und Hasenkrug

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Und darum geht's:

„Zur Antwort bekam Büttner ein mehrfaches Schulterzucken. Es war zum Verzweifeln. Mit der typisch ostfriesischen Wortkargheit jedenfalls war das Verhalten der Männer nicht zu erklären. Es musste mehr dahinter stecken. Aber was?“

Nach den Weihnachtsferien haben die meisten Urlauber die ostfriesische Insel Baltrum verlassen, als eine alteingesessene Insulanerin am Strand ermordet aufgefunden wird – und ihr Leichnam auf dem Weg zur Gerichtsmedizin spurlos verschwindet.
Die ermittelnden Kommissare David Büttner und Sebastian Hasenkrug treffen bei den Baltrumern auf eine Mauer des Schweigens. Keiner der Insulaner scheint ein Interesse daran zu haben, dass der Mord aufgeklärt wird. Als es wenige Tage später einen weiteren Todesfall gibt, suchen Büttner und Hasenkrug zunächst vergeblich nach Berührungspunkten zwischen den Opfern. In ihren Ermittlungen behindert durch Schweigen, Lügen und Vertuschungsversuche, nähern sie sich der Lösung des Falls nur in kleinen Schritten.

 

Leseprobe

Die Straßen waren wie ausgestorben. Wo am Abend zuvor aus so manchem Haus noch Partymusik gedröhnt hatte, herrschte jetzt eine beinahe gespenstige Stille. Hier und da lagen leere Sektflaschen oder auch der ein oder andere Plastikbecher herum, ansonsten aber erinnerte nichts mehr an die ausgelassene Stimmung, die die Feiertagstouristen vom Festland importiert hatten. Fast war es, als hätte jemand die Sicherung herausgedreht und damit die besinnliche Ruhe über die Insel gebracht, die man sich eigentlich zu den Festtagen wünschte.
Harm hielt in der Bewegung inne und lauschte. Zum wiederholten Male hatte er sich eingebildet, hinter sich Schritte zu hören, doch jedes Mal, wenn er stehen blieb, verstummten auch diese. Er schaute sich in alle Richtungen um, doch es war kein Mensch zu sehen. Wie auch, bei dem dichten Nebel? Insgeheim hoffte er darauf, noch jemandem zu begegnen, mit dem er ein letztes Bier kippen konnte. Zum ins Bett gehen war es noch zu früh, auch wollte er den Abend nicht vor dem Fernseher verbringen, denn das Programm langweilte ihn zu Tode. Ob er einfach noch mal zurück in Ilses Kneipe ging? Er schüttelte den Kopf. Nein, ihr ständiges Flirten oder das, was sie dafür hielt, konnte er heute wirklich nicht ertragen.
Also setzte er seinen Weg fort, der ihn zu seinem Erstaunen direkt an den Strand führte. Normalerweise trieb ihn in der Nacht nichts ans Wasser, und er hatte auch keine Ahnung, was er dort ausgerechnet bei dichtem Nebel wollte. Aber sei’s drum. Alles war besser, als in ein leeres Zuhause zurückzukehren, in dem niemand außer einer altersschwachen und stets schläfrigen Katze auf ihn wartete.
Am Strand war es stockdunkel. Harm fiel ein, dass heute Vollmond war, doch verlieh dieser den Wolkenrändern lediglich einen gelblich trüben Schimmer. In dieser Nacht würde auf Baltrum wohl niemand mehr das Vergnügen haben, ihn in seiner ganzen Schönheit zu betrachten, denn sowohl Nebel als auch Wolkendecke wurden immer dichter, was daran liegen mochte, dass der Wind fast komplett eingeschlafen war.
Das Rauschen der Wellen war einem leisen Plätschern gewichen. Harm konnte das Wasser allenfalls erahnen, nicht aber sehen. Auch die Dünen erschienen als kaum wahrnehmbare Schatten, obwohl sie nur wenige Schritte entfernt waren.
Harm fröstelte trotz der warmen Kleidung, die er trug. Er zog seine Wollmütze tiefer über die Ohren und zog den Kragen seines Seemannpullovers über das Kinn. „Verdammt, was mache ich hier eigentlich?“, fluchte er. „Ist doch eine Scheißidee, zu dieser Zeit noch an den Strand zu gehen.“
Gerade wollte er den Rückweg durch die Dünen antreten, als er ein Knirschen hörte. Unschwer erkannte er das Geräusch von Schritten auf nassem Sand. Sie kamen näher. Der Nebel war nun so dicht, dass er nicht einmal mehr ein paar Meter weit sehen konnte. Er horchte in alle Richtungen, doch fiel es ihm schwer zu sagen, woher genau die Schritte kamen. Das Knirschen wurde lauter. Und war da nicht auch ein unterdrücktes Wimmern? „Ist da jemand?“, rief Harm in die Dunkelheit hinein. Keine Antwort. Er spürte, wie ihm der kalte Schweiß ausbrach, schimpfte sich aber sofort einen Idioten. Wer sollte sich hier am Strand schon herumtreiben und Böses im Schilde führen? „Hallo? Ist da jemand?“ Wieder nichts. Das Knirschen kam näher.
„Leck mich doch!“ Harm trat den Rückzug an. Wer auch immer sich vorgenommen hatte, ihm einen Schrecken einzujagen, der konnte sehen, wo er blieb. Er, Harm, würde jetzt nach Hause gehen, sich einen heißen Grog machen und gemütlich die Füße hochlegen.
Doch gerade, als er die ersten Schritte gemacht hatte, spürte er einen dumpfen Schmerz am Hinterkopf. Es wurde schwarz um ihn.