... oder wie ich eine erfolgreiche Autorin wurde

„Ich habe ein Buch geschrieben!“ Hatte ich geglaubt, dass diese für mich so magischen Worte auch nur einen müden Verlag hinter dem Ofen hervorlocken könnten, so sah ich mich Mitte des letzten Jahrzehnts getäuscht. Und auch in meinem Umfeld war von vielen Leuten allenfalls ein mildes Lächeln zu vernehmen, das wohl so viel bedeuten sollte wie: Ach was, du auch!? Wie man diesen Sätzen vielleicht entnehmen kann, war also auch mein Weg zur erfolgreichen Autorin keineswegs ohne den einen oder anderen Stolperstein versehen, und so begnügte ich mich damit, meinem Job als selbstständige PR-Beraterin nachzukommen – und nicht aufzugeben. Anfang 2012 entschloss ich mich nach einem gewonnenen Kurzkrimiwettbewerb dazu, meiner ostfriesischen Heimat den ihr gebührenden Tribut zu zollen, und meine nächsten Bücher in Form von Krimis hier anzusiedeln. Nur war es leider auch jetzt nicht so, dass die Verlage haufenweise Hurra! schrien. Genau genommen war es nicht ein einziger. Absage folgte Absage, Enttäuschung folgte Enttäuschung.

Dass aber selbst die zunächst schmerzhafte Absage eines Verlages durchaus auch etwas Gutes haben kann, erfuhr ich dann Mitte 2013. Freunde machten mich auf die Möglichkeit des Selfpublishing aufmerksam, und so gelangte ich über einen kurzen Umweg zu Kindle Direct Publishing von Amazon. Ohne wirklich große Erwartungen an den Verkauf von eBooks zu knüpfen, war ich zunächst einfach nur froh, dass meine beiden ersten Krimis Windbruch und Das Teekomplott eine Heimat gefunden hatten, in der sie zumindest die Chance bekamen wahrgenommen zu werden. Was dann nur wenige Wochen später geschah, war wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen: praktisch über Nacht wurde ich mit inzwischen über 1 Million verkauften Büchern zur Bestseller-Autorin!

Wer nun aber glaubt, dass es, einmal Selbstläufer, von selbst so weitergeht, den muss ich an dieser Stelle leider enttäuschen. Immer wieder erlebe ich in meinem Umfeld, dass so mancher der Meinung zu sein scheint, Autoren verdienten ihr Geld im Schlaf. Weit gefehlt. Insgesamt hat sich das Selfpublisher-Dasein für mich inzwischen als Vollzeitbeschäftigung herausgestellt. Ohne Verlag ist man neben dem Schreiben der Bücher ja auch für alles andere, zum Beispiel das Marketing, zu 100 Prozent zuständig. Jetzt ins Klagen zu verfallen, wäre trotzdem völlig deplaziert, habe ich doch nun endlich den Job, den ich immer haben wollte. Dass es so ist, ist nicht zuletzt auch das Verdienst meiner treuen Leserinnen und Leser, deren positive Rückmeldungen und Kommentare mich laufend dazu animieren, mit jedem Buch stets noch ein kleines bisschen besser zu werden. Danke dafür, Ihr Lieben!

Übrigens: Haben auch Sie eine Meinung zu Ostfriesland?

Warum ich das frage? Weil ich seit mehr als vierzig Jahren die Erfahrung mache, dass beinahe jeder, dem gegenüber ich meine Heimat erwähne, eine Meinung zu ihr hat – und das ganz unabhängig davon, ob er schon mal dort war oder nicht. Wobei das jetzt nicht wertend gemeint ist. Nein, es ist einfach nur eine Feststellung, mehr nicht.
Trotzdem stelle ich mir natürlich die Frage, woran das liegen könnte. Zunächst fallen mir da – wer hätte das gedacht? – die Ostfriesenwitze ein. Vermutlich gibt es in Deutschland niemanden, der nicht mindestens einen von ihnen kennt. Oder wie sonst ist das Grinsen (oder ist es ein Lächeln?) vieler Mitbürger zu erklären, wenn man sich ihnen als Ostfriesin vorstellt? Einige von ihnen scheinen dann gar zu glauben, ich mache einen Witz. Hahaha! Ostfriesin? Echt jetzt? Kein Witz? Nee, echt jetzt. Kein Witz. Ist aber nicht ansteckend oder so.
Gut möglich auch, dass diese Menschen spontan an „unseren“ Komiker Otto Waalkes denken, der sich zeitlebens redlich Mühe gibt, das Klischee des etwas primitiven und naiven Ostfriesen zu festigen – und damit Millionen Menschen zum Lachen bringt. Keiner hier nimmt ihm diesen Klischee-Kleister übel, denn es gibt wohl kaum einen Ostfriesen, der das Interesse an unserer Heimat derart gefördert hat wie er. Der Tourismusbranche jedenfalls hat er ganz sicher nicht geschadet – und die Ostfriesen sehen es gelassen. So wie sie überhaupt vieles gelassen sehen. Auch dafür sind sie ja bekannt. Nicht nur einmal ist es mir passiert, dass jemand mich fragte: „Sind eigentlich alle Ostfriesen so wie Otto Waalkes?“ Meine Antwort lautet dann: „Nein, denn dann wären wir ja alle unglaublich erfolgreich.“ Verdutzte Gesichter allenthalben. Dies ist wohl kaum die Antwort, die meine Gesprächspartner auf ihre Frage erwarten. Aber so ist das eben mit den Klischees: Wenn man eines bedient, bekommt man nicht zwangsläufig eines zurück.

Aber warum erzähle ich Ihnen das eigentlich alles?

Weil ich Ostfrieslandkrimis schreibe. Und das tue ich ganz sicher nicht, um irgendwelche Klischees zu bedienen, auch wenn mir das an der einen oder anderen Stelle durchaus mal vorgeworfen wird. Nein, ich tue es, weil ich a) Ostfriesin bin, ich b) die Ostfriesen daher gut kenne und ich c) Spaß daran habe, meine Heimat als das zu präsentieren, was sie ist: Ein liebenswertes Fleckchen Erde mit liebenswerten Menschen, einer liebenswerten Landschaft und einer liebenswerten Sprache. Kurzum: Hier ist alles liebenswert.

Umso erstaunlicher, dass hier so viele Morde passieren, sagen Sie?

Nun, das könnte vielleicht daran liegen, dass die liebenswerten Menschen gar nicht so liebenswert sind. Ist aber nicht so.
Eine Lieblingsfrage mich interviewender Journalisten lautet übrigens: Ist Ostfriesland denn ein so mörderisches Pflaster, dass es sich so viele Autoren als Schauplatz für ihre Krimis auswählen?
Antwort: Nein. Alles andere wäre gelogen. Ostfriesland ist nicht Klein-Chicago. Ostfriesland ist Ostfriesland ist Ostfriesland und damit genauso harmlos, wie man es von einem abgelegenen, von Schafen und Kühen geprägten Landstrich erwarten würde.
Der Reiz der Krimis dürfte also im Kontrast liegen. Vermutlich ist es genau dieser Widerspruch zwischen friedvoller Realität und fiktiver Grausamkeit, der Leserinnen und Leser zu Ostfrieslandkrimis greifen und sie lieben lässt.
Aber zurück zu mir und meinen Krimis, für die eines Voraussetzung war: die polizeilichen Ermittler David Büttner und Sebastian Hasenkrug sollten keine Ostfriesen sein. Nicht, weil Ostfriesen keine guten Ermittler sein können (so ist es ganz gewiss nicht), sondern weil die Ermittler die ostfriesischen Protagonisten quasi von außen beobachten und bewerten können. Damit nehmen sie einen Blickwinkel auf Land und Leute ein, der von einem „Internen“ so nicht geleistet werden könnte.
Dass aber der Blick von außen und innen wichtig ist, um die Ostfriesen so zu charakterisieren, wie sie nun mal sind, weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich habe, bevor ich nach Ostfriesland zurückkehrte, mehr als zwanzig Jahre in Hessen gelebt. Das hat mir nicht nur erlaubt, eine andere Mentalität kennen zu lernen, sondern die Eigenarten und damit die Besonderheiten der Ostfriesen aus einer gewissen Entfernung bewusst wahrzunehmen und schätzen zu lernen.
Nehmen wir mal an, ich wäre in Ostfriesland aufgewachsen und hätte diesen Landstrich nie für längere Zeit verlassen. Natürlich würde ich die Ostfriesen auch dann kennen, wie sollte es anders sein. Aber alles, was sie ausmacht, was sie von anderen unterscheidet, hätte ich womöglich niemals wahrgenommen. Denn all das, was um mich herum passiert, wie man zu mir spricht oder wie man sich verhält wäre für mich „normal“ gewesen.
Dadurch aber, dass ich für lange Zeit den Blick von außen und mit zahlreichen Außerfriesischen zu tun hatte, wurde mir nach und nach klar, was für ein besonderes Völkchen die Ostfriesen doch sind, und das in vielerlei (und immer positiver) Hinsicht.

Ob meine Leserinnen und Leser das wirklich merken, wollen Sie wissen?

Jo. Ich denke schon. In ihren Rückmeldungen betonen sie sehr häufig, wie authentisch die Geschichten um die Ermittler Büttner und Hasenkrug auf sie wirken. Diejenigen, die noch niemals in Ostfriesland waren, bekommen, so sagen sie, ein Gespür dafür, wie man hier lebt. Schon häufiger bekam ich gar E-Mails, in denen mir die Absender mitteilten, meine Krimis hätten sie veranlasst, ihren nächsten Urlaub in Ostfriesland zu verbringen. Andere, die hier bereits Urlaub gemacht oder gar die ostfriesische Heimat verlassen haben, fühlen sich durch meine Krimis in diesen Landstrich zurückversetzt und genießen die kleine Auszeit in der (vermeintlich?) heilen Welt.
Ich selbst habe an solchen Rückmeldungen unglaublich viel Spaß, zeigen sie mir doch, dass mir mit meinen Krimis genau das gelingt, was ich mit ihnen beabsichtige: Botschafterin zu sein für einen kleinen, von Deichen beschützten Landstrich im äußersten Nordwesten Deutschlands. Einen Landstrich, der für mich mit all seinen liebenswert-schrulligen Eigenarten vor allem eines ist und bleibt: Meine Heimat.

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