Windbruch

Windbruch

Der 1. Fall für Büttner und Hasenkrug

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Worum geht's?

Maarten Sieverts, gebürtiger Ostfriese, lebt seit geraumer Zeit in New York und ist Inhaber eines weltweit operierenden und erfolgreichen Ingenieurbüros. Als er eines Tages eine Einladung zur Hochzeit seiner Schwester Wiebke nach Ostfriesland bekommt, fliegt er erstmals seit mehreren Jahren wieder in seine Heimat. In Ostfriesland angekommen, läuft ihm sein alter Schulfreund Hauke Langhoff über den Weg, der, schwer erkrankt, den Verdacht äußert, an seinem Arbeitsplatz vergiftet worden zu sein. Als Hauke bald darauf stirbt, beschließt Maarten, dem von seinem Freund geäußerten Verdacht auf den Grund zu gehen und schließt ein Joint-Venture mit dessen Firma, der N.S.Offshore-Power Ltd. in Emden, die in der Nordsee Offshore-Windkraftprojekte realisiert. Schon sehr bald wird Maarten klar, dass es bei dieser Firma zu sicherheitsrelevanten Manipulationen bei der Planung von Offshore-Windkraftanlagen kommt, die sein Freund Hauke offensichtlich aufgedeckt hatte und verhindern wollte. Gemeinsam mit seiner Freundin aus Kindheitstagen, Tomke Coordes, die ebenfalls als Ingenieurin bei der N.S.Offshore-Power Ltd. arbeitet, nimmt er Nachforschungen auf. Es kommt zur großen Katastrophe …

 

Leseprobe

Das erste, was Maarten auffiel, als er vor der Tür seines Elternhauses aus dem Taxi stieg, war die frische Luft. Sogleich reckte und streckte er seine vom langen Sitzen steif gewordenen Gliedmaßen und atmete tief durch. Er hatte ganz vergessen, wie frisch es hier in Ostfriesland roch. Wenn er es sich richtig überlegte, hatte er, da er sich hauptsächlich in den Metropolen dieser Welt bewegte, schon sehr lange nicht mehr tief durchgeatmet und dabei das Gefühl gehabt, seine Lungen würden soeben einer Tiefenreinigung unterzogen. Und so setzte er seine Inhalationseinheit gleich noch intensiver fort, hob und senkte dabei seine Arme und zog abwechselnd die Knie an.
Maarten war so sehr mit seinen Leibessübungen beschäftigt, dass er zusammenzuckte, als sich neben ihm jemand hörbar räusperte. „Ich störe Sie ja nur ungern beim … na ja … was auch immer Sie da gerade tun, aber ich müsste dann mal weiter“, sagte der Taxifahrer, und seinem Blick war zu entnehmen, dass er Maarten für einen esoterischen Spinner oder ähnlich Seltsames hielt.
„Ähm, ja“, stotterte Maarten und er spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg. Schnell zückte er sein Portemonnaie und gab dem Fahrer über den reinen Fahrpreis hinaus noch ein üppiges Trinkgeld. Als das Taxi fort war, stellte Maarten seinen Koffer vor das Gartentor seiner Eltern. Noch schien seine Ankunft keiner bemerkt zu haben. Da er niemandem mitgeteilt hatte, wann genau er ankommen würde, vermutete er nach einem Blick auf seine teure Armbanduhr, dass seine Mutter vermutlich gerade das Mittagessen vorbereitete, während sein Vater im Gemüsegarten werkelte, wie er es bei jeder Gelegenheit tat, seit er in Rente war. Er schaute die Straße entlang, die ihm seit Kindertagen so vertraut war. Kein Mensch war zu sehen. Nichts schien sich verändert zu haben im Dieksweg. Ostfriesische Idylle pur. Rote Klinkerhäuschen standen, aufgereiht wie an einer Perlenschnur, beidseitig der schmalen, ebenfalls mit roten Klinkersteinen gepflasterten Straße. In den gepflegten, mit Hecken oder Zäunen eingefassten Vorgärten, die allesamt aussahen, als hätten die in ihnen zahlreich aufgestellten Gartenzwerge persönlich Hand angelegt, entfaltete sich eine wahre Blütenpracht. Nur ein Garten fiel komplett aus der Reihe, wie Maarten auffiel. Schräg gegenüber, im Dieksweg 16, wo früher das ältere Ehepaar Harms gewohnt hatte, musste wohl ein Generationswechsel stattgefunden haben. Wenn ein Garten das Prädikat naturbelassen verdient hatte, dann sicherlich dieser. Aus einem der Fenster des spitzgiebeligen Hauses hing zudem eine Flagge mit Atomkraft nein danke. Hier herrschte Anarchie, das war mal klar, stellte Maarten mit einem Grinsen fest. Mal sehen, was seine Eltern darüber zu berichten hatten.
Gerade, als Maarten beschlossen hatte, nun Vater und Mutter zu begrüßen, hob die Mittagsglocke der jahrhundertealten Kirche zu einem nahezu ohrenbetäubenden Gebimmel an. Maarten zwinkerte, die Hand zum Schutz vor der Sonne über die Augen gelegt, zum kleinen Kirchturm hinauf, der auf dem mächtigen Dach der Kirche etwas verloren aussah. Auf die Mittagsglocke hatte Groß Midlum lange Jahre verzichten müssen, aber nun hatte man anscheinend ausreichend Spendengelder zusammenbekommen, um sich eine neue leisten zu können. Begleitet von dem Gebimmel nahm Maarten den Bügel seines Rollkoffers in die Hand und öffnete das kleine, grün-weiß gestrichene Gartentor. Es quietschte. Wie immer. Niemandem war es jemals gelungen, dieses Quietschen vollständig abzustellen. Und manche Dinge änderten sich anscheinend auch in Jahrzehnten nicht.
Vorteil dieses Gartentores war immer gewesen, dass Familie Sieverts auf einen Wachhund verzichten konnte. Keiner kam hier unbemerkt hindurch. So auch diesmal. Kaum, dass das Tor Alarm geschlagen hatte, stand auch schon sein Vater vor ihm, in Flanellhemd und Arbeitsweste und mit Spaten in der Hand. Die schwieligen Hände voller Erde, glotzte er seinen Sohn erstaunt an. Dann rammte er den Spaten mit Schwung ins Blumenbeet und kam langsam auf ihn zu.
„Moin, mien Jung“, sagte er und hieb ihm kräftig mit der Hand auf die Schulter, was auf Maartens T-Shirt erdige Striemen hinterließ.
„Moin, Vadder“, erwiderte Maarten, ließ seinen Koffer los und umarmte seinen Vater mit einigen Klopfern auf den gebeugten Rücken.
„Warst lang nicht da.“
„Nun bin ich aber da.“
„Jo.“
„Ist Mutter auch da?“
„Jo. Gibt jetzt Middach. Kartoffeln und frischen Salat ausm Garten. Hab ich gerade geerntet. Dazu `ne schöne Scholle. Hab ich geholt, in Greetsiel, am Hafen. Is ganz frisch.“ Er machte eine wegwerfende Handbewegung. „Ach watt, ich red wieder zuviel. Komm einfach rein. Siehst ja selbst.“
Maarten grinste. Ja, für seinen Vater war das eine richtige Ansprache gewesen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass er aufgeregt war. Einem plötzlichen Impuls folgend legte er seinem Vater den Arm um die Schulter. „Es ist schön, wieder mal hier zu sein, Vadder.“
Doch noch ehe sein Vater etwas darauf erwidern konnte, stand plötzlich seine Mutter vor ihm und umarmte ihn so fest, als wolle sie ihn nie wieder loslassen.
„Da bist du ja, mien Jung. Als Wiebke sagte, dass du kommst, wollte ich es gar nicht glauben. Aber nun bist du ja da. Ich freu mich so!“ Als Maarten sah, dass sie sich eine Träne aus den Augen wischte, bekam er plötzlich ein schlechtes Gewissen. Es musste schwer sein für seine Mutter, den Sohn nur alle paar Jahre zu sehen und nur ab und zu mit ihm zu telefonieren. Er nahm sich vor, ihr in den wenigen Tagen, die er hier war, besonders viel Aufmerksamkeit zu schenken.
„Hast ja `n ganz schmutziges T-Shirt, Maarten. Was has`n damit gemacht?“ Frau Sieverts strich mehrmals kräftig mit der Hand über Maartens Rücken. Ohne Erfolg.
„Das is von mir“, sagte ihr Mann und hielt ihr seine Hände hin. „Ging nicht anners, musste den Jung ja anständich begrüßen.“
„Na, is ja nich schlimm. Schmeiß ich gleich inne Wäsche.“ Frau Sieverts strahlte, als hätte Maarten ihr damit ein ganz besonderes Geschenk gemacht. „Jetzt komm mal essen, mien Jung. Hast ja bestimmt Hunger. Gibt Kartoffeln und Salat und frische Scholle aus Greetsiel.“
„Ja, hat Vadder schon gesagt.“
Maartens Mutter schüttelte den Kopf. „Was der alles redet in der kurzen Zeit. Na ja. Nu komm mal mit und erzähl mir alles. Hast ja sicher viel erlebt da hinten in Amerika.“

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