Tödliche Saat

Tödliche Saat

Der 4. Fall für Büttner und Hasenkrug

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Worum geht's?

Der grausame Mord an einem Journalisten führt Hauptkommissar David Büttner und seinen Assistenten Sebastian Hasenkrug ins idyllische ostfriesische Fischerdorf Greetsiel. Nach ersten Ermittlungen deutet vieles darauf hin, dass der junge Familienvater Opfer einer skrupellosen Agrarlobby wurde. Denn bereits seit längerem waren ihr seine engagierten Recherchen zum massiven Bienensterben und dem Einsatz genmanipulierten Getreides ein Dorn im Auge. Doch auch im Privatleben des Opfers lief nicht alles so harmonisch, wie es auf den ersten Blick schien. Sebastian Hasenkrug gerät angesichts des verworrenen Beziehungsgeflechts der Akteure und der zum Teil unorthodoxen Ermittlungsmethoden seines Chefs an den Rand der Verzweiflung …

 

Leseprobe

Er hatte in seiner Laufbahn schon einiges gesehen, aber was Hauptkommissar David Büttner jetzt vor sich liegen sah, übertraf doch alles bisher Dagewesene. Er warf seinem recht bleich aussehenden Assistenten Sebastian Hasenkrug einen schnellen Blick zu, um seine Augen dann ungläubig wieder auf den größeren Haufen zu richten, der sich vor seinen Füßen ausbreitete. „Sie sagten, es wäre eine Leiche gefunden worden, Hasenkrug“, presste er hervor und deutete auf den Haufen, „das hier sieht mir aber eher nach ...“
„Futtergetreide“, bemerkte eine tiefe Stimme neben ihm.
„Was?“ Büttner blickte den Mann, der die ganze Zeit still und leise in einer Ecke gestanden hatte, irritiert an. Der Kleidung nach zu urteilen, handelte es sich um einen Landwirt fortgeschrittenen Alters. Über einer dreckverschmierten Jeans, die in grünen Gummistiefeln steckte, trug er ein in Rot und Schwarz kariertes Flanellhemd, darüber eine olivfarbene Weste mit vielen Taschen. Auf dem Kopf hatte er eine dunkelgrüne Kappe, sein von tiefen Falten durchzogenes, wettergegerbtes Gesicht deutete darauf hin, dass er sich viel im Freien aufhielt. „Futtergetreide“, wiederholte der Mann. „Verfüttern wir im Winter an unsere Kühe.“
„Und was hat das mit mir zu tun?“, fragte Büttner.
Der Landwirt deutete mit einem kurzen Fingerzeig auf den Haufen. „Sieht heute komisch aus, sind Stücke drin.“
„Stücke drin“, wiederholte Büttner dumpf.
„Jo.“ Der Landwirt spuckte kurz aus, dann fuhr er fort: „Dachte erst, es wären Ratten. Das kommt schon mal vor. Die treiben sich im Getreide rum und geraten dann in die Mühle.“
„Aber?“ Büttner wollte lieber nicht hören, was jetzt kam.
Statt einer Antwort deutete der Landwirt mit einer Kopfbewegung nach oben, wo sich der Getreidetrichter befand, von dem aus das Getreide in die Mühle strömte. Büttner warf einen erneuten Blick auf seinen Assistenten Hasenkrug, der sich sichtlich darum bemühte, seinen Mageninhalt nicht Retour gehen zu lassen. Er schluckte einmal tief, dann erklomm er die Leiter, die zum Getreideboden hinaufführte. „Oh, mein Gott“, stammelte er, als er sah, was oben im Trichter lag – und was nicht. Ein menschlicher Torso, ohne Arme, ohne Beine, ohne Kopf. Die waren allem Anschein nach schön säuberlich vom Körper getrennt worden und lagen jetzt ... Büttner spürte eine kaum zu unterdrückende Übelkeit in sich aufsteigen und trat schnell den Rückzug an.
„Da ist ... er konnte wohl nicht ...“ Vor lauter Übelkeit gelang es Büttner nicht, einen klaren Satz zu formulieren, zu sehr war er damit beschäftigt, das leckere Geburtstagsessen bei sich zu behalten.
„Hat sich wohl verschätzt“, brummte der Landwirt mit sonorer Stimme, und Büttner wunderte sich, dass er nach wie vor eine so gesunde Gesichtsfarbe hatte. Schien ziemlich abgebrüht zu sein, der Kerl.
„Sie meinen?“, würgte Büttner hervor.
„Dachte wohl, der Körper passt durch den Trichter. Hat er sich getäuscht. Arme und Beine, ja. Der Kopf wohl auch, aber dann ... hm, war ja klar, dass der stecken bleibt.“
„Stecken bleibt.“ Büttner drehte sich um und verließ den Stall. Er brauchte frische Luft. Er atmete ein paar Mal tief durch und beobachtete seine Kollegen von der Spurensicherung, die soeben auf den Hof gefahren waren und jetzt mit ihren Koffern dem Scheunentor zustrebten. „Viel Spaß“, murmelte er schwach, als sie an ihm vorbeiliefen. Auch die Gerichtsmedizinerin Dr. Anja Wilkens fuhr gerade vor und sah ihn mit einem freundlichen Lächeln an. „Nanu, Herr Kommissar, Sie stehen bei diesem Wetter freiwillig draußen herum?“, wunderte sie sich und warf einen Blick in den mit tiefen, dunklen Wolken verhangenen Himmel, aus dem ein feiner Nieselregen in filigranen Fäden zur Erde fiel.
„Ich ...“ Mit einem angewiderten Gesichtsausdruck deutete er durch das offene Scheunentor, aus dem ihm ein paar neugierige Kühe wiederkäuend entgegenblickten. Bei der Vorstellung, sie würden nur wenig später das frisch gemahlene Futtergetreide nebst Beilage zu sich genommen haben, spürte er, wie sich sein Magen entgegen den Gesetzen der Schwerkraft nach oben wölbte.
„Frische Landluft“, deutete Dr. Wilkens seinen Blick falsch. „Man merkt, dass Sie aus einer Großstadt kommen, Herr Kommissar. In Hamburg hatten Sie mit Sicherheit nicht viel auf Bauernhöfen zu tun.“ Bei diesen Worten sog sie die Luft tief in ihre Lungen. „Wissen Sie, ich war als Kind sehr häufig ...“, plauderte sie weiterhin munter drauflos, aber Büttner unterbrach sie mit einer ungewollt harschen Handbewegung. „Sehen Sie selbst“, stieß er gepresst hervor und lief mit unbekanntem Ziel davon. Aus den Augenwinkeln sah er die Medizinerin kopfschüttelnd durch das Scheunentor treten, während Sebastian Hasenkrug in die entgegengesetzte Richtung davonstob, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her.
„Tasse Tee?“, hörte Büttner wenig später eine Stimme neben sich sagen und blickte erstaunt auf. Ohne es zu bemerken, war er in Richtung des Wohngebäudes gegangen, das unmittelbar an das ausladende Stallgebäude angrenzte. Seine Kollegen und er waren ganz offensichtlich auf einem der erhabenen ostfriesischen Gulfhöfe gelandet. Vor dem mächtigen, fast majestätisch anmutenden Wohnhaus, das von der Straße her nicht einzusehen gewesen war, breitete sich ein weitläufiger, mit Obstbäumen bewachsener Garten aus, der im Sommer sicherlich wunderschön anzusehen war. Zu dieser herbstlichen Jahreszeit aber streckten die Bäume ihre kahlen Äste wie dünne Finger in den Novemberhimmel und schienen resigniert auf die sie erlösenden warmen Sonnenstrahlen des noch so weiten Frühlings zu warten.
„Keine schöne Sache das“, sagte die stämmige Frau, als er nichts erwiderte. „Aber eine gute Tasse Tee wird Sie auf andere Gedanken bringen, Herr Kommissar.“ Und schon nahm sie Büttner am Arm und zog ihn in die große Wohnküche, auf deren antiquiert aussehendem Gasherd ein Wasserkessel leise vor sich hin brummelte. Eine heimelige Wärme umfing ihn, als er den Raum betrat. Eine Wärme, die zweifelsohne von dem in dunkelgrünen Kacheln gehaltenen Ofen herrühren musste, auf dessen mit Sitzkissen bestücktem Sims sich wohlig zwei getigerte Katzen räkelten und ihn aus schläfrigen Augen gelangweilt ansahen.
„Für mich keinen Tee, bitte“, stieß Büttner schnell hervor, als er sah, dass die in eine hellblaue Kittelschürze gekleidete Bäuerin zwei Teetassen aus einer antiken Holzvitrine hervorkramte und sie scheppernd auf dem massiven Küchentisch abstellte. Die Bäuerin nickte ihm mit einem wissenden Lächeln zu, ignorierte aber seine Ablehnung und drückte ihm wenig später eine dampfende Tasse in die Hand, aus der das angenehm knisternde Geräusch eines sich im heißen Tee auflösenden Kluntje zu vernehmen war. Ergeben setzte sich Büttner auf einen Platz in der Eckbank, den ihm die Bäuerin soeben zugewiesen hatte. „Danke“, murmelte er schwach und nippte an seinem Tee. Die Bäuerin nickte zufrieden.
„Haben Sie die ... Leiche auch gesehen?“, fragte Büttner schwach.
„Aber sicher“, nickte sie, ohne dass das Lächeln von ihrem rosigen Gesicht verschwand, „ich hab sie doch gefunden. Kinners nee, war das ein Schreck!“

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