Todesgruft

Todesgruft

Der 19. Fall für Büttner und Hasenkrug

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Darum geht's:

Im Krummhörner Ortsteil Jennelt wird ein Mann vermisst. Alles, was von ihm bleibt, ist eine Blutlache. Als bald darauf seine Leiche entdeckt wird, steht außer Frage, dass er das Opfer eines Verbrechens wurde. An Tatmotiven und gegenseitigen Schuldzuweisungen mangelt es in der Jennelter Bevölkerung nicht, wie Hauptkommissar David Büttner und sein Assistent Sebastian Hasenkrug schon sehr bald feststellen müssen. Doch als eine weitere Einwohnerin auf brutale Weise den Tod findet, geraten die Mordtheorien der Polizisten ins Wanken. Scheinbar gibt es keinen Grund, warum die Frau hat sterben müssen, denn alles, was die beiden Opfer verband, war ihre Mitgliedschaft im Kirchenrat. Ein sehr schwaches Motiv, um jemanden umzubringen, wie Büttner findet. Oder?

Freuen Sie sich auf einen Gastauftritt der Büttner und Hasenkrug-Kultfigur Uroma Wübkea.

Leseprobe

„Allerhand los hier“, stellte Hauptkommissar David Büttner fest. „Warum schauen mich denn alle so erwartungsvoll an? Glauben die vielleicht, ich könnte aus einem Fleck Blut den dazugehörigen Menschen herbeizaubern? Bin ich Jesus?“
„Das ganze Dorf ist in heller Aufregung“, stellte sein Assistent Sebastian Hasenkrug fest. „Ist ja kein Wunder, wenn einer von ihnen so mir nichts, dir nichts verschwindet und dann auch noch festgestellt wird, dass es sich bei dem Blut auf dem Pflaster um seines handelt.“
„In heller Aufregung?“ Büttner schaute sich um. In allen vier Himmelsrichtungen hatten sich kleinere Menschenansammlungen gebildet. Die Dorfbewohner standen stumm da und beobachteten jede Handbewegung, die Hasenkrug und er hier taten. Was natürlich nicht allzu viele waren, denn was sollte es bei einem Blutfleck schon großartig zu tun geben, zumal die entsprechende Probe längst untersucht worden war. „So sieht es also aus, wenn Ostfriesen in heller Aufregung sind? Woanders würde man es wohl eher als vorkomatösen Zustand bezeichnen.“
„Seltsam ist es aber schon, dass Behrends von jetzt auf gleich verschwindet und nichts anderes hinterlässt als einen Blutfleck auf dem Straßenpflaster. Finden Sie nicht?“, beharrte Hasenkrug auf der Dringlichkeit dieses Vorfalls. Am Morgen hatte er vom Labor Bescheid bekommen, dass es sich bei seiner Probe um menschliches Blut handelt. Ein Abgleich hatte ergeben, dass es zu Klaas Behrends gehörte.
„Es kann tausend Gründe haben, warum es so ist“, erwiderte Büttner. „Was erwarten Sie von mir? Dass ich einen Suchtrupp losschicke? Mit Hundestaffel und allem Pipapo? Nur um jemanden aufzuspüren, der sich womöglich im Suff verletzt hat und nun irgendwo im Heuschober seinen Rausch ausschläft?“
„Klaas trinkt nicht. Er ist strikt gegen Alkohol“, meldete sich eine weibliche Stimme zu Wort. Büttner drehte sich um und sah eine ältere, nicht unattraktive Frau hinter sich stehen, die ihn mit energischem Blick ansah. Weder schien sie besonders aufgeregt zu sein, noch besonders besorgt. Sie stand einfach nur da und wartete offensichtlich auf eine Erwiderung.
„Und Sie sind?“, fragte Büttner.
„Marianne Behrends. Klaas ist mein Mann.“
„Ach.“ Büttner stellte sich und Hasenkrug vor. „Habe ich Sie richtig verstanden? Ihr Mann trinkt nicht?“
„Richtig. Keinen Tropfen.“
„Ist er trockener Alkoholiker?“
„Nein. Er trinkt nicht, weil er Kontrollverlust nicht leiden kann.“
„Nicht jedes Glas Bier oder Wein zieht einen sofortigen Kontrollverlust nach sich“, gab Büttner zu bedenken.
„Klaas ist da strikt. Wie er in allem sehr strikt ist.“
„Das heißt?“
„Er hat seine Prinzipien.“
„Prinzipien.“ Während Büttner das Wort langsam nachsprach, verzog er das Gesicht. Prinzipienreiter hatte er noch nie leiden können. Gemeinhin handelte es sich bei ihnen um Menschen, die nicht akzeptieren wollten, dass alles auf der Welt einem ständigen Wandel unterworfen war. Leute also, die eine konservative Revolution anzetteln wollten, ohne zu wissen, dass eine Revolution gemeinhin Zustände veränderte, anstatt sie zu zementieren. Leute, die es bereits als bahnbrechend ansahen, wenn sie morgens anstatt Erdbeermarmelade eine aus Himbeeren aufs gute deutsche Bauernbrot strichen. Atmende Tote eben, deren Dasein aus Angst vor dem Leben bestand. Auch wenn Büttner selbst ganz sicher kein Anarchist war und eine gewisse Stabilität durchaus zu schätzen wusste, so waren ihm diese in jeglicher Hinsicht unbeweglichen Betonköpfe doch zutiefst zuwider.

Doch das alles behielt Büttner für sich und sagte stattdessen nur: „Können wir uns an einem anderen Ort unterhalten?“

„Sie glauben also auch, dass Klaas etwas zugestoßen ist?“ Noch immer zeigte das Gesicht der unfreiwilligen Strohwitwe keinerlei Regung.

„Wieso auch?“, fragte Büttner.

„Hier im Dorf kursieren die wildesten Gerüchte“, erklärte Hasenkrug. „Das beliebteste ist, dass Klaas Behrends verschleppt wurde und in Kürze mit einer Lösegeldforderung zu rechnen ist.“

„Sind Sie denn vermögend?“, hakte Büttner nach.

Marianne machte daraufhin nur eine wegwerfende Handbewegung. „Ach was. Wenn einer Geld will, muss er sich schon jemand anderen aussuchen.“

„Na gut. Dennoch würde ich Ihnen gerne ein paar Fragen stellen, wenn es möglich ist.“ Er deutete auf die Umstehenden. „Ihre Nachbarn können ja derweil den Fall lösen. So es denn überhaupt einen gibt.“