Strandboten

Strandboten

Der 11. Fall von Büttner und Hasenkrug

Das Sommer-Special
E-Book Preis: 3,99 Euro im Kindle-Shop bei Amazon
E-Book Preis: 3,99 Euro als epub in den tolino-Shops (Thalia) (Weltbild) (Hugendubel) (Osiander)
E-Book Preis: 3,99 Euro bei Kobo und iBooks

Taschenbuch 8,99 Euro bei Amazon

Das Sommer-Special

Worum geht's?

Über Ostfriesland liegt brütende Hitze, als am Strand von Dornumersiel eine vom Sand verschüttete Leiche gefunden wird. Hauptkommissar David Büttner übernimmt die Ermittlungen und trifft dabei unverhofft auf seinen Assistenten Sebastian Hasenkrug, den er eigentlich fernab im Sommerurlaub vermutete. Pech für Hasenkrug, wird er doch sogleich von seinem Chef in die Pflicht genommen, ihm bei den Ermittlungen behilflich zu sein – eine Entscheidung, die Büttner schon bald zutiefst bereut, als sein Assistent daraufhin dem Angriff eines offensichtlich skrupellosen Täters zum Opfer fällt …

„Strandboten“ erscheint als Sommer-Special und läutet als 11. Fall die zweite Staffel der Büttner/Hasenkrug-Reihe ein. Freuen Sie sich auf ein spannendes Wiedersehen nicht nur mit dem beliebten Ermittlerduo, sondern auch mit Maarten und Tomke aus „Windbruch“ sowie Uroma Wübkea aus „Tödliche Saat“!

 

Leseprobe

1

Ganz sicher würde sie diesen Tag nicht überleben. Je häufiger sie sich in seine Nähe wagte, desto entschiedener betete Maarten Sieverts diesen Satz wie ein Mantra vor sich hin. Doch war sein Wunsch, sie zu erwischen, leichter formuliert als umgesetzt. Sie entkam ihm, wann immer er meinte, sie zwischen seinen Fingern zerquetschen zu können.
Er wünschte, er hätte eine Fliegenklatsche zur Hand.
Als er einen erneuten Stich verspürte, fluchte er laut und schlug sich reflexartig mit der flachen Hand auf die Schulter. Für einen kurzen Augenblick war er sich sicher, sie diesmal zermalmt zu haben. Doch folgte die Enttäuschung auf dem Fuße, denn schon malträtierte wieder dieses Summen seine Ohren. Ein Summen, wie es nur die gemeinsten aller Schmeißfliegen von sich geben konnten. So durchdringend, so hinterhältig, so abgrundtief …
„Na, seid ihr immer noch keine Freunde geworden?“, lachte seine Frau Tomke, die für ein paar Minuten beim Strandkiosk gewesen war und nun, lediglich in einen Bikini gekleidet, in den Schatten des Sonnenschirms zurückkehrte. Herzlich gerne hätten sie sich für diesen Tag einen der bunten Strandkörbe gemietet, doch waren sie dafür zu spät angereist. Bei diesem herrlichen Wetter waren die Körbe schnell ausgebucht. „Vielleicht solltest du zukünftig ein anderes Sonnenöl benutzen, die Fliege scheint auf deines abzufahren. Ganz eindeutig findet sie dich zum Anbeißen. Und ich auch“, fügte sie raunend hinzu, als sie sich mit zwei Eistüten in der Hand neben ihn auf das im Sand ausgebreitete Saunatuch setzte und ihm spielerisch in die Schulter biss.
Maarten verzog nur kurz das Gesicht, nahm ihr eine der Eistüten ab und deutete auf eine Gruppe Menschen, die sich vor wenigen Minuten beidseitig an einem am Strand aufgestellten Netz eingefunden hatten und nun mit lautem Gejohle Beach-Volleyball spielten. Gerade baggerte ein gut durchtrainierter Mann den Ball mit so viel Schwung über das Netz, dass seine Gegner keine Chance hatten, ihn zu erreichen. „Sag mal, ist das nicht einer der Polizisten, die damals bei uns in der Firma ermittelt haben?“
Tomke folgte seinem Finger in die angegebene Richtung, während ihr Mann genüsslich an seinem Eis schleckte. „Ja“, nickte sie nach kurzem Zögern, „der jüngere von den beiden Kommissaren. Ich denke, das ist er. Er hatte einen etwas außergewöhnlichen Namen, wenn ich mich richtig erinnere.“
„Hasenkrug. Sebastian Hasenkrug“, kam es von Maarten wie aus der Pistole geschossen. Er verfügte über ein deutlich besseres Namensgedächtnis als seine Frau. Nachdenklich schleckte er an der zu einer Spitztüte gerollten Waffel, über die bereits dünne Rinnsale des Schokoladeneises hinabliefen. Bei den sommerlichen Hitzerekorden, wie sie derzeit in Ostfriesland gemessen wurden, konnte man sein Eis gar nicht so schnell verschlingen, wie es zerfloss und einem als klebrige Masse auf die Oberschenkel tropfte.
„Richtig. Hasenkrug. Und der andere? Sein Chef? Ist der auch da?“, fragte Tomke und verscheuchte nun ihrerseits eine Fliege, die es sich auf ihrer Wange bequem gemacht hatte, während eine andere immer noch um Maartens Kopf  herumsurrte und ihn zum ständigen Herumfuchteln mit den Armen veranlasste – was schon so manchen Badegast zu verstohlenen Blicken in ihre Richtung veranlasst hatte. Was will diese junge, hübsche Frau nur mit diesem offensichtlich von einem Handikap geplagten Mann, schienen diese Blicke zu fragen.
So schnell fanden Vorurteile ihren Platz.
„Möchte mal wissen, woher die ganzen Viecher kommen“, maulte Tomke, „die treiben sich doch sonst nicht am Strand herum. Bestimmt liegt irgendwo `ne verwesende Möwe herum oder so was.“
„David Büttner“, beantwortete Maarten Tomkes Frage. „Aber der scheint nicht hier zu sein. Ist wohl kein Betriebsausflug.“ Wie zur Absicherung seiner Worte schaute Maarten einmal in die Runde und schien dabei jeden Badegast einzeln zu fixieren. Er grinste. „Ich kann mir den allerdings auch weder in Badehose noch beim Beachvolleyball vorstellen.“
„Stimmt.“ Auch Tomke konnte sich bei der Vorstellung eines sich sportlich verausgabenden Hauptkommissars Büttner ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Allerdings hätte ich auch nie gedacht, welch knackiger Körper unter den Klamotten seines Assistenten Hasenkrug hervorkommt. Irgendwie hätte ich bei ihm deutlich weniger trainierte Muskelmasse vermutet. Respekt!“
„Seine Freundin ist aber auch nicht von schlechten Eltern“, parierte Maarten schmatzend.
„Seine Freundin?“ Tomke, die sich kurz unter dem Sonnenschirm hinweg bewegt hatte, hielt schützend eine Hand über ihre Augen und blinzelte zu dem Polizisten hinüber, der sich nach einem scharfen Schmetterball nun zu einer schlanken Frau mit langem, blondem Haar hinabbeugte und ihr einen flüchtigen Kuss auf den Mund gab. „Woher willst du wissen, dass die beiden nicht verheiratet sind?“
„Sie gucken sich so verliebt an“, entgegnete Maarten und lachte laut auf, als Tomke ihm im nächsten Moment eine angedeutete Kopfnuss gab.
(…)
„Moin. Kennen wir uns nicht?“, hörte Tomke, geblendet von der Sonne, eine Stimme fragen.
Nun sah auch Maarten auf. „Oh. Moin, Herr Hasenkrug. Gar nicht mehr am spielen? Ist kein Spaß bei dieser Affenhitze, oder?“
„Herr Dr. Sieverts und Frau Coordes, jetzt weiß ich’s wieder“, grinste Sebastian Hasenkrug und reichte ihnen die Hand. „Da hat es Sie also nicht wieder zurück nach New York gezogen, wie ich feststelle.“ Er nahm einen kräftigen Schluck aus der Wasserflasche, die er bei sich trug.
„Nur ab und zu“, erwiderte Maarten, „wenn es der Job erfordert.“ Er legte einen Arm um Tomkes Schultern. „Und meine Frau heißt jetzt auch Sieverts. Sie wollte es altmodisch.“
„Romantisch. Ich wollte es romantisch“, korrigierte ihn Tomke und schob seinen Arm weg. „Und jetzt könntest du mich mal wieder loslassen, ist viel zu warm heute für Körperkontakt. Und Sie, Herr Hasenkrug“, fragte sie an den Polizisten gewandt, „gar nicht auf Mörderfang?“
„Urlaub. Muss ja auch mal sein. Wir haben erst kürzlich einen Fall in Groothusen abgeschlossen. Das reicht dann auch an Leichen für dieses Jahr, wenn Sie mich fragen.“
„Kann ich gut verstehen“, nickte Maarten, und für einen kurzen Augenblick umwölkte sich seine Stirn. „Wir haben mit der Geschichte von damals immer noch zu kämpfen. Die ganzen Toten …“ Er räusperte sich. „Vor Ihrem Job kann ich nur den Hut ziehen. Ich glaube, ich könnte ihn nicht machen. Zu viel Leid und Elend.“
(…)
Tomke ließ ihren Blick über das Watt schweifen, in dem das Wasser bei Ebbe lediglich noch in den Prielen stand, um Tieren, die das Trockenfallen nicht vertrugen, das Überleben zu sichern. Im Sonnenschein funkelte das Watt wie tausend Diamanten, und nicht wenige Menschen waren unter der Anleitung von Wattführern in den weichen Schlick hinausgelaufen, um sich über die Besonderheiten des zum Weltnaturerbe zählenden Nationalparks mit seiner einzigartigen Artenvielfalt aufklären zu lassen. Als UNESCO-Weltnaturerbe zählte das Niedersächsische Wattenmeer zu den letzten intakten Naturlandschaften Europas, die, weitgehend verschont durch menschliche Eingriffe, sich selbst überlassen blieben und einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen einen geschützten Lebensraum boten.
Eine heftige Sturmflut hatte im Frühjahr entlang der ostfriesischen Küste für Aufregung gesorgt, weil sie an den Stränden, die gerade für die nächste Saison instandgesetzt worden waren, große Schäden angerichtet hatte. Auch der herrliche Sandstrand von Dornumersiel, an dem an diesem Sommertag alles so friedlich schien, war von den über ihn hereinbrechenden Wassermassen stark in Mitleidenschaft gezogen worden.
Chronische Bedenkenträger hatten damals die Behauptung aufgestellt, die Sommersaison würde im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fallen. Kein Sand – kein Strand – keine Urlauber – keine Saison, so lautete ihre Logik.
Doch hatten sich die Verantwortlichen durch die destruktiven Unkenrufe nicht ins Bockshorn jagen lassen, sondern sich ohne langes Lamentieren an die Arbeit gemacht. Mit Erfolg, wie man an dem harmonischen Bild, das sich dem Gast an diesem idyllischen Ort bot, unschwer erkennen konnte.
„Na, wenn sie den Ball kriegt, dann …“, hörte Tomke ihren Mann in ihre Gedanken hinein sagen. Vermutlich hätte sie diesem Satz keinerlei Beachtung geschenkt, wenn ihm nicht unmittelbar danach ein greller Schrei gefolgt wäre.

 

Dat Leseboot, Infos unter www.dat-leseboot.de ×