Sippenverfall

Sippenverfall

Der 18. Fall für Büttner und Hasenkrug

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Preis: 3,99 Euro

Darum geht's:

Von schwerer Krankheit gezeichnet, lädt der Emder Unternehmer Herbert van Lessen seine Familie zu einer mehrtägigen Fahrt auf einem Passagierdampfer ein. Für seine Kinder und Enkel geht es bei diesem Familientreffen, das sie in die Niederlande führt, vor allem um eine Frage: Wer erbt nach dem Tod des Patriarchen dessen millionenschweres Vermögen?
Als bereits am ersten Tag der Fahrt eine Leiche vor den Schiffsbug gespült wird, sieht es zunächst so aus, als habe der Tote nichts mit den van Lessens zu tun. Hauptkommissar David Büttner aber glaubt nicht an einen Zufall und schleust seine Leeraner Kollegin Sophie Reimers als verdeckte Ermittlerin an Bord. Unterstützt von ihrem niederländischen Kollegen Arie van Dijk bleiben ihr nur wenige Tage, um hinter die Wahrheit zu kommen.

 

Leseprobe

Mit verschränkten Armen stand Hauptkommissar David Büttner unmittelbar an der Schleusenwand und schaute dabei zu, wie ein paar Männer in Taucheranzügen den Leichnam bargen. Gerade legten sie den schlaffen Körper in eine Tragevorrichtung, um ihn dann an der Spundwand hochzuziehen. Besonders tief stand das Wasser nicht, doch war immer noch der ein oder andere Höhenmeter zu überwinden. „Ist er vom Schiff gefallen?“, fragte er seinen Assistenten Sebastian Hasenkrug. Dieser kam gerade von Bord der White Cloud, wo er ein paar Leute befragt hatte.
„Nein. Es ist keiner der Passagiere.“
„Sicher?“
„Ja. In erster Linie handelt es sich bei den rund dreißig Passagieren an Bord um Mitglieder der Familie van Lessen. Sie machen eine mehrtägige Ausflugsfahrt in die Niederlande.“
„Wirklich?“ Büttner verzog das Gesicht. „Na, das sollte man mir mal vorschlagen. Mit meiner Schwiegermutter auf solch einem Kutter tagelang eingesperrt. Schönen Dank auch. Muss ja eine ganz reizende Familie sein, wenn die so was mit sich machen lässt.“
Hasenkrug zuckte die Schultern. „Machen einen netten, wenn auch etwas wortkargen Eindruck. Es sind die van Lessens von der Werft.“
„Von welcher Werft?“
„Sie kennen die Werft der van Lessens nicht?“ Hasenkrug sah seinen Chef an, als komme er aus einer anderen Welt.
„Nein. Aber Sie werden mich ja sicherlich gleich aufklären, warum ich sie kennen sollte.“
„Die gibt es schon ewig. Der Gründer, ein gewisser Herbert van Lessen, hat sich noch vor dem Krieg von einem kleinen Werftarbeiter hochgearbeitet und irgendwann seine eigene Werft hier im Emder Industriehafen gegründet. In den letzten Jahrzehnten, unter der Ägide von Herbert van Lessen junior, der heute der Senior ist, hat sie sich zu einem weltweit operierenden Unternehmen gemausert.“
„Tatsächlich? Ich dachte, die deutschen Werften sind inzwischen alle pleite.“
„Viele ja. Aber Herbert van Lessen, der heutige Senior, hat die Zeichen der Zeit erkannt und seinen Betrieb auf das Refit von Tankern umgestellt.“ Als Hasenkrug den fragenden Blick seines Chefs sah, fügte er hinzu: „In den Neunzigerjahren wurde es für alle neu zugelassenen Tanker aus Sicherheitsgründen Pflicht, einen doppelwandigen Rumpf zu haben. Seit 2015 dürfen nur noch doppelwandige Tanker betrieben werden. Van Lessen hat diese Gesetzgebung kommen sehen und sich schon frühzeitig darauf spezialisiert, diese Umrüstungen bei bis dahin einwandigen Tankern vorzunehmen. Damit hat er sich eine goldene Nase verdient.“
„Da wird ihm die Stadt Emden aber dankbar sein“, konstatierte Büttner. „Klingt nach vielen gesicherten Arbeitsplätzen.“
„Sie haben ihn schon vor etlichen Jahren zum Ehrenbürger ernannt.“
„Dachte ich mir. Und das, was Sie mir gerade erläutert haben, hat man Ihnen alles in der kurzen Zeit an Bord erzählt?“
„Nee. Das gehört hier in Emden zum Allgemeinwissen.“
„Da bin ich ja froh, dass auch ich nun zu diesem erlauchten Kreis der allgemein Wissenden gehöre“, brummte Büttner. „Und nun lassen Sie uns herausfinden, wen uns die Schleuse vor die Füße gespült hat. Wie schön für die van Lessens, dass es keiner von ihnen ist. Das hätte ihnen bestimmt den Ausflug vermiest.“