Merle & Mo

MerleMo

Merle & Mo; Alter: 9-12 Jahre
C. V. Traumland Verlag

Als Hardcover überall im Buchhandel oder direkt im Online-Shop des Verlags
Preis: 12,90 €

Worum geht's?

Na, das hat Merle gerade noch gefehlt. Für ihre schlechte Laune würde es doch schon reichen, dass die herrlichen Sommerferien zu Ende sind und sie wieder in die Schule muss. Aber zu allem Unglück kommt auch noch Moritz, ‚der Neue’ aus München, in ihre Klasse. Er benimmt sich reichlich arrogant, und Merle kann ihn von Anfang an nicht ausstehen. Als ihre Freundin Jana eines Tages Erpresserbriefe bekommt, steht für die Mädchen sofort fest, dass nur Moritz dahinter stecken kann. Gemeinsam schmieden sie einen Plan, wie sie ihn überführen können. Bei der Umsetzung des Plans aber geraten Merle und Jana in große Gefahr …

 

Leseprobe

Merle blinzelte zum strahlend blauen Himmel hinauf. Die heiße Julisonne schien fast senkrecht über ihr zu stehen und es war nicht ein Wölkchen zu sehen. Sie lag, den Kopf auf die Hände gestützt, bäuchlings auf einer frisch gemähten Weide und kaute gedankenverloren an einem trockenen Grashalm. Wie gut es hier roch, nach Heu und ... ja, nach Sommer eben! Und diese Stille! Kein Laut war zu hören, außer dem Summen und Zirpen der Insekten, die um Merle herumschwirrten und sich ebenfalls mächtig darüber zu freuen schienen, dass es Sommer war. Ach, könnte es doch nur immer so sein! Merle stieß einen tiefen Seufzer aus und ließ sich auf den Rücken rollen. Die Sommerferien waren so herrlich gewesen – und wie immer viel zu kurz. Schon morgen sollte sie wieder zur Schule gehen. Bei diesem Gedanken verspürte Merle ein plötzliches Frösteln und schlug unwillkürlich die Arme vor dem Körper zusammen. Dabei war es keineswegs so, dass sie die Schule ausgesprochen furchtbar fand. Nein, auch da war es manchmal durchaus ganz lustig. Aber verglichen mit ihren heißgeliebten Sommerferien war der Schulalltag doch eher, nun ja, uncool eben.

Merle legte schützend eine Hand vor die Augen und blickte erneut zum Himmel hinauf. Hm, dem Sonnenstand nach zu urteilen, würde es bald Zeit zum Mittagessen sein. In den Ferien lebte Merle ohne Uhr. Wenn die Schulglocke am letzten Schultag endlich die freien Tage einläutete, verstaute Merle sie tief unten in ihrem Rucksack und holte sie erst zum Schulbeginn wieder heraus. Schon als sie ganz klein gewesen war, hatte ihr Opa ihr während langer Spaziergänge Vorträge zum Thema Zeit gehalten. „Merle“, hatte er dann immer gesagt, „wer die Zeit verstehen will, braucht keine Uhr. Der schaut einfach zum Himmel, denn dort steht alles geschrieben, was der Mensch über sie wissen muss.“ Merle hatte auf diese Weise schnell gelernt, sich nach dem Stand der Sonne zu richten, wenn sie, was sehr häufig vorkam, in der freien Natur unterwegs war.

Merle beschloss, sich vor dem Essen noch schnell eine Abkühlung zu gönnen. Langsam stand sie auf, strich sich eine kleine Fliege von der Nase, die sich vorwitzig darauf niedergelassen hatte und lief, weiter auf ihrem Grashalm kauend, gemächlich zum nahe gelegenen See hinunter. Etwa hundert Meter vom Seeufer entfernt war ein kleiner Schotterplatz angelegt worden, der Badegästen, die von weiter her kamen, als Parkplatz dienen sollte. Nur war der See nicht eben groß und noch dazu eine unter vielen Bademöglichkeiten in dieser Gegend, so dass sich selbst an so heißen Tagen wie diesem nur sehr wenige Leute hierher verirrten. Umso mehr erschrak Merle, als sie an diesem Parkplatz wie aus heiterem Himmel einen großen, glänzenden Geländewagen vor sich auftauchen sah. Der Fahrer schien Merle nicht gesehen zu haben, kam direkt auf sie zugeschossen und bog erst im letzten Moment und in einem Affenzahn zum Schotterplatz ein. Unwillkürlich hatte Merle einen Satz zur Seite gemacht und fand sich nun im Gestrüpp wieder, deren spitze Dornen ihr Arme und Beine zerkratzten. „So ein Spinner“, murmelte sie wütend vor sich hin und verzog schmerzhaft das Gesicht, als sie einen der tiefen Kratzer an ihrem Arm befingerte. „Kann der denn nicht aufpassen!“ Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass nicht noch mehr Irre unterwegs waren, kroch sie wieder auf den Weg zurück und ging weiter. Der Schotterplatz war in eine dichte Staubwolke gehüllt. Tiefe Reifenspuren deuteten darauf hin, dass der Fahrer des Geländewagens eine Vollbremsung hingelegt hatte. Genervt schüttelte Merle den Kopf. Der Kerl fand sich wohl obercool!

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