Maskenmord

Maskenmord

Ein Neujahrs-Special
Der 12. Fall für Büttner und Hasenkrug

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Und worum geht's?

Die Begeisterung von Hauptkommissar David Büttner hält sich in Grenzen, als seine Frau Susanne darauf besteht, mit ihm gemeinsam zu Silvester einen Kostümball zu besuchen. Einzig das angepriesene Büffet kann ihn über die Aussicht hinwegtrösten, diesen Abend zwischen karnevalistisch verkleideten Gestalten verbringen zu müssen. Doch ist ihm letztlich selbst das kulinarische Vergnügen nicht vergönnt, da inmitten des Party-Gewühls plötzlich ein Mann erschossen am Boden liegt. Zunächst scheint es für den Mord an dem jungen, zurückgezogen lebenden Landwirt keinerlei Motiv zu geben – doch je mehr sich Büttner und sein Assistent Sebastian Hasenkrug mit dem persönlichen Umfeld des Opfers befassen, desto umfangreicher wird auch die Summe der Verdächtigen.

 

Leseprobe

Ein Blick aus dem Fenster sagte ihm, dass es schneite. Und regnete.
Ein weiterer, mit zusammengekniffenen Augen erfolgter Blick bestätigte ihm seine Befürchtungen: Jetzt, da es dunkel war, bildete sich auf den Straßen eine tückische Allianz aus Eis und Schneematsch. Diese würde – so konnte er es am nächsten Tag mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Polizeibericht nachlesen –  Verkehrsunfälle der unterschiedlichsten Kategorien, sprich vom Blechschaden über Knochenbrüche bis hin zu Todesfällen, nach sich ziehen. Daran würde vermutlich auch der Streudienst, der soeben mit seinem orange blinkenden Fahrzeug um die Ecke bog und Tonnen von Salz auf den Straßen verteilte, nicht allzu viel ändern.
Hauptkommissar David Büttner seufzte schwer, ließ sich auf einen der Küchenstühle sinken und nippte an seinem Kaffee, den er sich frisch aufgebrüht hatte. Ja, dies war wieder einer dieser Tage, die man, wenn es nach ihm ginge, längst aus dem Kalender gestrichen hätte. Einer dieser Tage, an denen er sich am liebsten bereits beim Aufwachen die Decke über den Kopf gezogen hätte und im Bett geblieben wäre. Im Gegensatz zu Frau und Tochter natürlich, die das beim Frühstück noch so traute familiäre Zusammensein gar nicht früh genug in hektische Betriebsamkeit hatten abgleiten lassen können, gab es ihrer Ansicht nach doch noch soooooooo viel zu tun.
Es war Silvester.
Büttner hatte gehofft, dass er diesen Tag wie im letzten Jahr gemeinsam mit seiner Frau Susanne und einem befreundeten Ehepaar gemütlich bei einem Fondue verbringen würde. Um Mitternacht würden sie dann mit einem Glas Sekt auf das neue Jahr anstoßen und sich kurz darauf ins warme Bett zurückziehen.
Doch weit gefehlt. Als er seiner Angetrauten vor einigen Tagen einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet hatte, hatte sich Susannes Stirn von einem Moment auf den anderen in ein einziges Faltenmeer verwandelt, und sie hatte mit hörbar frostiger Stimme geantwortet: „David, nun sag nicht, dass du den Maskenball vergessen hast!“
Doch. Hatte er. Obwohl das Verb vergessen die Sache nicht so recht auf den Punkt brachte, wie er fand. Verdrängen wäre in diesem Fall wohl der passendere Ausdruck gewesen. Denn was, in Dreiteufelsnamen, hatte er, David Büttner, auf einem Maskenball verloren!? Und warum hätte er über dieses völlig abstruse Ansinnen Susannes auch nur einen Moment lang nachdenken sollen? Für ihn hatte es doch von Anfang an festgestanden, dass er lieber alleine zu Hause blieb als sich in irgendeiner Maskerade zum Affen zu machen.
Jedoch kam das für seine werte Gattin natürlich gar nicht in die Tüte.
„Eine Leiche“, murmelte er vor sich hin, während er Frau und Tochter im Nebenzimmer gut gelaunt miteinander schnattern hörte, „eine Leiche wäre jetzt genau das Richtige.“ Nicht ohne Neid sah er zu seinem Hund Heinrich hinüber, der gerade ein wohliges Knurren von sich gab, einmal herzhaft gähnte und sich dann genüsslich in seinem Korb umdrehte und weiterschlief.
Schon den lieben langen Tag hatte Büttner in der Hoffnung auf ein erlösendes Klingeln auf sein Handy gestarrt. Am Mittag dann – endlich! – war es soweit gewesen. Begleitet von den Verwünschungen seiner Frau hatte er sich eilends in den Emder Vorort Larrelt begeben, in dem ein Mann seine Nachbarin tot aufgefunden hatte. Doch nach einigem Hin und Her hatte sich zu seinem Bedauern herausgestellt, dass es sich bei der Toten wohl um eine junge Frau handelte, die ihrem Leben freiwillig ein Ende gesetzt hatte, da sie, wie sie es in ihrem Abschiedsbrief vermerkt hatte, keine Lust mehr auf das ganze Trara habe.
Also war er wieder nach Hause gefahren, um sich in sein Schicksal zu ergeben. Immerhin hatte Susanne ihm zugestanden, dass er in dieser Nacht lediglich einen schwarzen Anzug trug und sich eine aus Venedig mitgebrachte Pestmaske vor das Gesicht schob, anstatt sich als Cowboy, als Batman oder gar – wie seine Tochter Jette nach einem Blick auf seine Leibesfülle vorgeschlagen hatte – als Pu der Bär ins Silvestervergnügen zu stürzen.
„Bist du fertig?“, hörte er Susanne in seine Gedanken hinein sagen, doch noch bevor er etwas antworten konnte, schob sie auch schon in dem typisch tadelnd-autoritären Tonfall der Pädagogin hinterher: „Du hast ja noch nicht mal deinen Anzug an, David! Es war doch abgemacht, dass wir uns um halb sieben auf den Weg machen!“
„Ups. Da hab ich wohl die Zeit vergessen“, erwiderte Büttner und sah seine als Cleopatra verkleidete Frau mit Unschuldsmiene an. „Gut siehst du aus“, versuchte er sie mit einem Lächeln zu beschwichtigen.
„War ja klar, dass du wieder die Spaßbremse gibst“, maulte Jette, als sie nun als … ja, als was denn eigentlich? … zur Tür hereinkam.
„So willst du aber nicht in der Öffentlichkeit herumlaufen!“, entfuhr es Büttner, und er musterte seine zwanzigjährige Tochter entgeistert von oben bis unten. Ihre schlanken Beine steckten in transparenten schwarzen Nylonstrumpfhosen. Ihr Oberkörper wurde mehr schlecht als recht von einem schwarzen Body mit hohem Beinausschnitt bedeckt, an dessen hinterem Ende ein dunkles Etwas hinabbaumelte. In ihrem blonden Haar hatte sie zwei spitz zulaufende, plüschige Dreiecke befestigt, ihre Füße steckten in High heels mit extrem hohem Absatz, für die sie nach Meinung ihres Vaters einen Waffenschein hätte beantragen müssen. Außerdem hatte sie ihre Nasenspitze schwarz angemalt und sich irgendwelche Striche über die Wangen gepinselt.
Jette verdrehte die Augen.
„Hallo? Papa? Es ist ein Maskenball, okay?“
„Ach ja?“, konterte Büttner, „und da muss man sich gleich als … als …“
„Katze“, half ihm seine Frau auf die Sprünge.
„Ja, genau, als … das soll eine Katze sein?“, unterbrach er sich selbst. „Leidet die etwa an Haarausfall, oder was?“
„Sehr witzig.“ Jette zog einen Schmollmund.
„Findest du es richtig, dass das Kind so aufreizend zu einer Party geht?“, wandte sich Büttner an seine Frau.
„Das Kind ist seit geraumer Zeit volljährig und kann damit selbst entscheiden, was es trägt“, seufzte Susanne.
„Mein Sohn ist sechzehn. Er sitzt und spricht“, zitierte Jette daraufhin mit einem breiten Grinsen einen Satz aus Loriots Papa ante Portas und fügte dann hinzu: „Wir, also meine Freunde und ich, gehen als Bremer Stadtmusikanten. Ohne Katze geht das ja wohl schlecht.“
Büttner deutete auf ihre Schuhe und schnaubte: „Na, der Köter, dem du beim Turmbau diese Absätze in den Rücken rammst, tut mir jetzt schon leid. Da wünsche ich dir aber, dass der Gockel flache Turnschuhe bevorzugt.“
„Also, was ist, David, könntest du dich jetzt bitte mal umzuziehen, anstatt hier den Moralapostel zu geben?“ Susanne warf einen ungeduldigen Blick auf die Uhr.
Büttner machte eine wegwerfende Handbewegung. „Fahrt schon mal vor, wenn ihr es so eilig habt. Ich komme dann mit `nem Taxi nach. Aber rast nicht so. Es ist glatt.“
Susanne zögerte einen kurzen Moment, dann schürzte sie die Lippen und erwiderte: „Na gut. Aber wenn du bis um halb acht nicht beim Ball bist, beziehe ich ab morgen Witwenrente. Nur, damit das klar ist.“ Mit diesen Worten schmiss sie den Kopf in den Nacken und stolzierte, ihrer royalen Aufmachung angemessen, davon.
„Ach, Heinrich, aus der Nummer komme ich wohl nicht mehr raus“, seufzte Büttner, als er wenig später alleine im Haus war und seinem inzwischen erwachten Hund den Nacken kraulte. Dem aber schienen die Probleme seines Herrchens reichlich egal zu sein, denn er trottete nun zu seinem Napf und ließ kurz darauf ein vorwurfsvolles Winseln vernehmen, weil er in diesem kein Futter vorfand.
„Du hast ja recht“, nickte Büttner verständnisvoll, griff nach dem Beutel Trockenfutter und schüttete eine viel zu große Menge in den Blechnapf. „Was soll aus uns Männern werden, wenn wir uns nicht selbst um uns kümmern?“
Mit schmalen Augen linste er zum Kühlschrank hinüber. Ob auch er sich noch etwas zu essen gönnte? Aber hatte Susanne nicht irgendwas von einem Büffet gesagt? Oder war das bei anderer Gelegenheit gewesen? Was, wenn er die ganze Nacht auf dem Ball war und es nichts zu essen gab? Nicht auszudenken, was dann mit seinem ohnehin schon angeschlagenen Gemütszustand passieren würde!
Büttner gab einen grunzenden Laut von sich, griff nach seinem Laptop und googelte solange, bis er die Homepage zur Veranstaltung gefunden hatte. Zu seiner Freude wurde bereits auf der Startseite auf ein reichhaltiges Büffet hingewiesen, das – so stand es dort allen Ernstes! – orgiastische Gaumenfreuden versprach.
Wow, dachte er zufrieden und rieb sich den knurrenden Bauch, vielleicht war solch ein Silvesterball unter gewissen Umständen ja doch ganz gut zu ertragen. Nun sollte er sich aber schleunigst auf die Socken machen, bevor der Rest der Festgesellschaft ihm womöglich die leckersten Häppchen vor der Nase wegaß!

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