Eisige Spuren

Eisige Spuren

Der 13. Fall für Büttner und Hasenkrug

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Darum geht's:

In Ostfriesland herrschen arktische Temperaturen, als die Leichen von zwei jungen Frauen gefunden werden. Zudem ist eine Freundin der Opfer spurlos verschwunden. Alles deutet darauf hin, dass die beiden Morde in Leer und Canhusen sowie das Verschwinden der Freundin im Zusammenhang zueinander stehen.
Gemeinsam mit ihrer Leeraner Kollegin Sophie Reimers nehmen Hauptkommissar David Büttner und sein Assistent Sebastian Hasenkrug die Ermittlungen auf. Schnell wird klar, dass die Opfer nicht nur Tiermedizin studierten, sondern darüber hinaus auch als militante Tierschützerinnen aktiv waren. Vor allem verfolgten sie das Ziel, Betriebe mit Massentierhaltung zu verhindern. Liegt hier das Motiv für die Morde?

 

Leseprobe

In schwungvollen Schüben, die Hände auf dem Rücken verschränkt, glitt er in vorgeneigter Haltung über das Eis und nutzte dabei die volle Breite des Kanals. Wie sehr er dieses schabende Geräusch liebte! Er geriet wie in einen Rausch, nahm die Menschen, die ihm begegneten, kaum noch war. Komm, Edzard, lass uns bis ans Ende der Welt schöfeln, hörte er sich in seiner Erinnerung als kleiner Junge sagen. Nur wir beide, Edzard, du und ich.
„Mama! Hilf mir, Mama! Hilf mir! Iiiiiiiiiiiih!“, bohrte sich plötzlich eine vor Panik schrille Kinderstimme in seine Erinnerungen. Wie aus einem Reflex heraus drehte er die Beine quer zur Fahrtrichtung und kam mit einem kreischenden Geräusch zum Stehen. Eine Ansammlung von sechs Menschen gruppierte sich gerade um irgendetwas in der Mitte des Kanals. Er glitt zu ihnen hinüber.
„Oh shit!“, entfuhr es ihm, als er ein kleines Mädchen sah, das einige Meter weiter im eiskalten Wasser zappelte. Nur mit Mühe krallte sie ihre Finger in die Oberfläche des Eises. Ihre Zähne klapperten, ihre Lippen waren blau angelaufen, sie wimmerte. Ihre Mutter stand hilflos auf dem Eis und schrie immer wieder: „Klara, oh Gott, Klara!“
„Verdammt, wir müssen sie da rausholen“, stellte ein Mann treffend fest, doch keiner der Umstehenden rührte sich von der Stelle. Zweifelsohne wussten sie, dass eine erwachsene Person, die sich dem Kind aufrecht nähern würde, unweigerlich durchs brüchige Eis kracht.
Klaas zögerte nicht lange und legte sich der Länge nach aufs Eis. Langsam robbte er auf dem Bauch zur Einbruchstelle vor. Ein anderer tat es ihm gleich und ergriff, als Klaas nach quälend langen Sekunden endlich die Hände des Mädchens zu fassen bekam, seine Füße. Die so entstandene Schlange wurde schließlich von zwei weiteren Männern langsam vom Loch weggezogen.
„Hab keine Angst, gleich bist du draußen“, keuchte Klaas angestrengt, als er das Gewicht des Kindes spürte, das sich Zentimeter für Zentimeter aus dem Loch hervorarbeitete. „Bleib ganz ruhig, Klara. Wenn du nicht zappelst, geht es leichter.“
Als das Kind bis zu den Beinen aus dem Wasser ragte, glaubte Klaas schon, es geschafft zu haben. Auch von den Umstehenden war ein erleichtertes Seufzen zu hören.
Doch plötzlich tat es einen Ruck.
„Aaaaaaah!“, schrie das Mädchen panisch aus. „Mich hält was fest! Mama! Hilf mir! Mich hält was am Bein fest!“
Klaas stöhnte auf. Er spürte, dass er schon sehr bald keine Kraft mehr haben würde, das Kind zu halten. Seine Hände waren taubgefroren und seine Arme fühlten sich an, als würden sie jeden Moment aus den Schultern reißen. Er lugte zum Himmel hinauf und seufzte. Zu allem Überfluss würde die Sonne schon sehr bald hinter dem Horizont verschwinden. Worin, um Himmels Willen, hatte sich das Mädchen denn hier im Kanal verhakt?
„Nun machen Sie doch was!“, hörte er die Mutter kreischen, als Klara wie von einer unsichtbaren Hand gezogen wieder ein gutes Stück in das Loch zurückglitt und einen spitzen Schrei ausstieß. „Bitte, bitte, machen Sie doch was!“ Zwei auf Schlittschuhen hinzugeeilte Frauen hatten Mühe, sie daran zu hindern, sich kopflos zu ihrer Tochter zu stürzen.
„Einer muss gucken, was sie da unten festhält“, keuchte Klaas, doch dann sah er, dass sich bereits ein weiterer Mann aus entgegengesetzter Richtung auf dem Bauch liegend dem Loch näherte. „Ich bin Feuerwehrmann“, rief er dem Mädchen zu, „gleich haben wir dich da raus, Klara, vertrau mir!“ Kaum, dass er diesen Satz gesagt hatte, tauchte sein Arm auch schon ins Wasser hinab und tastete eine scheinbare Ewigkeit darin herum.
„Ich hab’s gelöst“, rief er schließlich, „ihr könnt jetzt wieder ziehen!“ Das ließen sich die Männer nicht zweimal sagen, und die ganze Prozedur begann wieder von vorne. Der Feuerwehrmann selbst hielt Klara am Gürtel ihrer Hose fest und zog sie nach oben, wodurch er das Rettungsmanöver deutlich erleichterte.
Diesmal gelang es, das Mädchen in einem Rutsch aus dem Loch herauszubugsieren. Als es in sicherer Entfernung auf dem Eis saß, eilte die Mutter herbei, riss sich die Daunenjacke vom Leib, legte sie um ihre bibbernde Tochter und umschlang sie mit ihren Armen.
In nicht allzu weiter Entfernung waren Martinshörner zu hören. Klaas, der völlig erschöpft auf dem Eis saß, stöhnte befreit auf, während er durch heftiges Aneinanderreiben der Hände versuchte, wieder Leben in seine steifgefrorenen Finger zu bekommen. Anscheinend war irgendjemand so geistesgegenwärtig gewesen, Feuerwehr und Rettungswagen anzufordern. Er wollte sich gerade erheben, als der Feuerwehrmann, der offenbar in großer Eile ans Ufer gekrabbelt war, einen erstickten Schrei ausstieß und aufs Loch deutete.
Der Anblick, der sich ihm jetzt bot, war mit Sicherheit das Gruseligste, was er je hatte erleben müssen.
Aus dem Loch im Eis ragte der blutleere Kopf einer Frau hervor, die ihn aus gebrochenen Augen anklagend anstierte.

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