Dunstkreise

Dunstkreise

Der 16. Fall für Büttner und Hasenkrug

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Und darum geht’s:

„In Rysum leben vordergründig nette Menschen und alle haben sich lieb. Schabt man aber ein wenig an der Oberfläche, wird schnell deutlich, dass jeder Dorfbewohner zu beinahe jedem anderen ein ähnlich inniges Verhältnis pflegt wie Sie zu Ihrer Schwiegermutter.“

Dieser Einschätzung seines Assistenten Sebastian Hasenkrug kann sich Hauptkommissar David Büttner nur anschließen. Doch trotz aller versteckt oder offen zur Schau gestellten Abneigungen innerhalb der Dorfbevölkerung lässt sich für den Mord an Bodo Lübbers, der eines Morgens erstochen im Hausflur liegt, kein überzeugendes Motiv ausmachen. Auch das Auftauchen einer weiteren Leiche beschert den beiden Polizisten mehr Fragen als Antworten. Was tun?

Lassen Sie sich entführen in ein typisch ostfriesisches Dorfidyll. Sie werden überrascht sein.

 

Leseprobe

Prolog

Manchmal verspürte er eine unbändige Lust, ja geradezu einen Zwang zu schreiben. Dann setzte er sich an den kleinen, immer ein wenig wackeligen Schreibtisch in seinem Zimmer, nahm einen Zettel sowie einen Füllfederhalter zur Hand und ließ seinen Gedanken freien Lauf. Einfach so.
Nur sehr selten, wenn es ihn an diesen Tisch zog, wusste er bereits, was er zu Papier bringen würde. Doch darum ging es auch nicht. Er schrieb einzig und allein um des Schreibens willen. So wie andere ein Glas Wasser tranken, wenn sie Durst hatten.
Er nannte es sein Grundbedürfnis. Die anderen nannten es schlicht verrückt. Nun, damit konnte er leben. Sollten sie nur alle verständnislos den Kopf schütteln, wenn er mal wieder vom Kaffeetisch aufsprang oder eine gerade angefangene Beschäftigung einfach abbrach und in seinem Zimmer verschwand. Früher, als sein Schreibzwang nur ab und zu zum Vorschein kam, hatten sie ihm noch hinterhergerufen, er solle sich wie ein normaler Mensch benehmen. Eine Aufforderung, die er damals wie heute nicht verstand. Wie genau benahm sich ein normaler Mensch? Schrieb der etwa nicht? Er hatte ihnen diese Frage gestellt, jedoch nur verständnisloses Kopfschütteln geerntet. Heute machte er sich keine Gedanken mehr darüber, ob er ein normaler Mensch war oder nicht.
Überhaupt machte er sich nur noch sehr wenig Gedanken. Auch beim Schreiben. Wenn ihn sein Zwang übermannte, dann nicht deshalb, weil er etwas Bestimmtes zu sagen hatte. Nein, vielmehr war da immer wieder dieser unheimliche Druck in seinem Kopf, der nach Erleichterung verlangte. Wenn es soweit war, setzte er sich an seinen Tisch, und die Wörter flossen geradezu aus ihm hinaus. Als hätte sie jemand gerufen, kamen sie gerannt, um sich in ordentlichen Reihen oder kunterbunt auf dem Papier zu verteilen. In diesen Momenten, wenn sich seine Zettel mit Buchstaben füllten, hatte er keinerlei Einfluss mehr auf das, was er letztlich seine Ausbeute nannte. Häufig verstand er nicht einmal, was genau er mit seinen Sätzen und Wörtern hatte ausdrücken wollen, wenn er sie sich später noch einmal durchlas. Aber das war ohne Belang. Zumindest für ihn. Manch einer fragte ihn von Zeit zu Zeit mit einem seltsamen Lächeln, das er nicht deuten konnte, wann man denn mal etwas von ihm lesen könne, in der Zeitung oder gar in einem Buch. Er verstand diese Frage nicht, war er doch weder Journalist noch Autor.
Er schrieb, weil es ihn nach dem Schreiben verlangte. Nicht mehr. Und nicht weniger. Schließlich zeigte jemand, der ein Glas Wasser getrunken hatte, ja später auch niemandem, was daraus geworden war.
So war es eben mit den Grundbedürfnissen. Sie kamen. Und sie wurden gestillt. Mehr nicht.

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