Brandwunden

Brandwunden

Der 10. Fall für Büttner und Hasenkrug

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Und darum geht's:

Als Hauptkommissar David Büttner und sein Assistent Sebastian Hasenkrug die in einem Sarg aufgebahrte Leiche des Groothuser Bestattungsunternehmers Suntke Mennen in Augenschein nehmen, liegt ein weiteres Opfer bereits tot in den Trümmern eines abgebrannten Stallgebäudes in Woltzeten. Alles deutet daraufhin, dass im zweiten Fall wieder der Feuerteufel am Werk war, der in den vergangenen Wochen bereits mehrfach sein Unwesen in der Krummhörn trieb, und dessen Taten nun sein erstes menschliches Opfer forderten.
Wenn auch die Vorverurteilungen der Dorfbewohner nicht lange auf sich warten lassen, so halten sich Büttner und Hasenkrug bei der Aufklärung der Fälle lieber an die Fakten. Doch das ist angesichts einer renitenten Dorfbevölkerung, in der ein jeder beim jeweils anderen ein Motiv für die Taten zu sehen glaubt, gar nicht so einfach.

 

Leseprobe

1

Ein Zyniker hätte bei dem sich hier bietenden Anblick womöglich die Worte vorausschauend, wenn nicht gar zweckdienlich in den Mund genommen. Und auch Hauptkommissar David Büttner schossen für einen kurzen Augenblick ähnliche Begriffe durch den Kopf, als er und sein Assistent Sebastian Hasenkrug am frühen Morgen das Bestattungsinstitut in Groothusen betraten. Beim Anblick der um den Sarg herumstehenden Familienangehörigen schluckte er eine entsprechende Bemerkung jedoch hinunter und sagte stattdessen: „Moin. Mein Name ist Büttner, das hier ist mein Assistent Hasenkrug. Wir sind von der Kriminalpolizei. Zunächst einmal mein herzliches Beileid. Wenn Sie sich dazu in der Lage fühlen, würde ich Ihnen gerne ein paar Fragen stellen.“
„Wüsste nicht, was die Polizei mit ihm zu tun hat“, erwiderte ein dürrer Mann in schwarzem Anzug und deutete mit dem Kopf auf den aufgebahrten Toten, der mit einem seltsam entrückten Gesichtsausdruck in einem mit Seide ausgeschlagenen Sarg lag und ein wenig so aussah, als wäre er in einem berauschten Zustand in Gottes Ewigkeit hinübergeschwebt. „Der Chef hat sich selbst umgebracht, das ist doch klar. Am besten wird sein, wir bringen ihn schnellstmöglich unter die Erde, damit es hier weitergehen kann.“
„Aber Rufus, das – nun hör aber mal auf damit!“ Eine ältere Frau warf dem Mann einen vernichtenden Blick zu, während Büttner die Stirn runzelte und erwiderte: „Ob wir was mit diesem Toten zu tun haben oder nicht, das werden wir selbst beurteilen. Aber wenn wir schon mal dabei sind, dann können Sie mir ja gleich mitteilen, warum Sie der Ansicht sind, Ihr Chef Suntke Mennen habe sich selbst das Leben genommen.“
Büttner blickte forschend von einem zum anderen. Außer ihm und seinem Assistenten Sebastian Hasenkrug sowie der Mannschaft der Spurensicherung befanden sich noch vier weitere Personen in der Ausstellungshalle des Bestattungsinstituts. Umgeben von Särgen, Urnen und Grabschmuck schienen sie von der Tatsache, dass sie den Firmenchef an diesem Morgen nicht wie sonst üblich an seinem Schreibtisch, sondern in einem der Särge aufgefunden hatten, auf unterschiedliche Art betroffen zu sein.
(...)
„Der Chef war doch schon seit Wochen nicht mehr er selbst“, antwortete Rufus Häming auf Büttners Frage. „Er hatte Sorgen. Hat jeder gemerkt. Nur gesagt hat er nichts.“ Nachdem die Beileidskarten offensichtlich zu seiner Zufriedenheit sortiert waren, wandte er sich einem Regal mit Urnen zu und bearbeitete diese mit einem Staubtuch.
„Würden Sie das bitte lassen!“, fuhr Büttner ihn ein wenig zu schroff an. „Solange die Spurensicherung hier nicht fertig ist, wird nichts angefasst.“
Der Mann erwiderte diese Anweisung mit einer fahrigen Geste, sagte aber nichts.
„Wussten Sie von den Sorgen Ihres Mannes?“, sprach Sebastian Hasenkrug die Witwe an. Er bemühte sich, seinen Blick nicht andauernd zum Leichnam schweifen zu lassen. Ihm waren in seinem Leben schon viele Mordopfer begegnet, aber noch nie eines, das bereits im schwarzen Anzug aufgebahrt in einem Sarg lag, als sie eintrafen.
„Was weiß denn ich“, erwiderte Antje Mennen gepresst, „er hat doch schon lange nicht mehr mit mir gesprochen. Schon gar nicht über seine Gefühle.“ Mit einem unergründlichen Blick auf ihren verblichenen Gatten stieß sie ein kurzes Schnauben hervor und fügte dann schmallippig hinzu: „Daran wird sich ja nun wohl auch nichts mehr ändern.“
„Mama!“, rief Tochter Judith empört aus. „Papa ist tot und du – und du …!“ Der Rest des Satzes ging in einem verzweifelten Schluchzen unter, und im nächsten Moment ließ sich das Mädchen in die Arme ihrer Großmutter sinken.
„Du bist doch wirklich das Allerletzte!“, hörte Büttner die alte Frau in Richtung ihrer Schwiegertochter zischen, doch wurde er im nächsten Moment von der Gerichtsmedizinerin Dr. Anja Wilkens abgelenkt, die ihren Koffer anhob und sich zum Gehen anschickte. „Nehmen Sie den Leichnam jetzt mit?“, wollte er von ihr wissen.
„Sicher. Ich brauche ein toxikologisches Gutachten. Es spricht vieles dafür, dass er vergiftet wurde. Das will ich genauer wissen.“
„Oder dass er sich selbst vergiftet hat?“, hakte Hasenkrug nach.
„Auch möglich. Das herauszufinden ist allerdings Ihr Job.“ Sie strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr und nickte den beiden Polizisten kurz zu, dann war sie verschwunden. Nach einer auffordernden Kopfbewegung von Büttner machten sich nun auch die herbeigerufenen Mitbewerber Suntke Mennens daran, den Sarg mit dem Leichnam in ein bereitgestelltes Fahrzeug zu schaffen.
„So einfach macht man es uns ja selten“, flachste einer der Männer, als sie den Sarg zur Tür hinaustransportierten. „Ich wünschte, jede Leiche würde sich schon mal in die Kiste legen, bevor wir kommen. Hat was für sich.“
„War ja klar, dass der Chef nun zum Gespött der ganzen Nachbarschaft wird“, maulte Rufus Häming und verzog das Gesicht zu einer wahren Leichenbittermiene.

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